schrift-klassifikation |
Die seit Mitte der 80er Jahre zunehmend verbreiterte computerisierte,
digitale Datenbearbeitung wie das World-Wide-Web haben zu einer
umfassenden Veränderung der Produktion von Schriften geführt.
Mittels erschwinglicher und intuitiv handhabbarer "Font-Design-Programme
ist es seither auch abseits typografischer Fachfabriken
möglich Schriften zu entwerfen und gestalten. Desweiteren bieten
eine Reihe internationaler und teilweise revolutionärer Font-Labels
verschiedenste Schrifttypen im Web an.
Angesichts dieser explosionsartigen Schrifttypen-Entwicklung erweist
sich die offiziell gültige Schriftklassifikation nach der DIN-Norm
als unzulänglich und eigentlich unbrauchbar. Wolfgang Beinert
von der Typoakademie in München hat deshalb versucht, mit einer
eigens entworfenen Klassifikation die Klassifikation
nach der Matrix Beinert, die er in einem seiner Werkstattbriefe
veröffentlichte, diesen Mangel auszugleichen.
Da W. Beinerts Bemühungen meines Erachtens eine echte Alternative
zur DIN-Schriftklassifikation darstellen, möchte ich auf dieser
Site sowohl die konventionelle Klassifikation wie auch die Klassifikation
nach Matrix Beinert vorstellen.
klassifikation nach DIN-norm 16518 |
Gruppe I. Venezianische Renaissance-Antiqua
Gruppe II. Französische Renaissance-Antiqua
Gruppe III. Barock-Antiqua
Gruppe IV. Klassizistische Antiqua
Gruppe V. Serifenbetonte Linear-Antiqua
Gruppe VI. Serifenlose Linear-Antiqua
Gruppe VII. Antiqua-Varianten
Gruppe VIII. Schreibschriften
Gruppe IX. Handschriftliche Antiqua
Gruppe X. Gebrochene Schriften
Gruppe XI. Fremde Schriften (alle nichtlateinischen Schriften
wie
chinesische, japanische, arabische, kyrillische, hebräische
und indische Schriften etc.)
Zur Veranschaulichung der jeweiligen Schriftklassen empfehle ich
die illustrierte Ausarbeitung der DIN-Schriftklassifikation von
Arne Ehm, Julia Schnittger, Karen Nawrot und Lars Helge Rüter,
welche unter: www.setzmaschine.com
im Acrobat-PDF-Format downgeloaded werden kann.
klassifikation nach matrix beinert |
Auszug aus einem Werkstattbrief: ... Schriftklassifikationsmodelle
nach DIN 16518, oder wie sie einst Jan Tschichold (Jan Tschichold:
Schriften 1925-1974, Brinkmann & Bose, Berlin 1991, Band 2)
entwarf, sind heute in Teilen nicht mehr praktikabel.
Wolfgang Beinert passte deshalb im Mai 2001 die Tschicholdsche
Katalogisierung von Schriften den neuen Anforderungen an. Es entstand
eine Matrix mit neun Hauptgruppen, mit deren Hilfe die Schriftbibliotheken
des Ateliers Beinert neu eingeteilt werden konnten:
1. Antiqua
2. Grotesk
3. Egyptienne
4. Antiqua Schriftsippen
5. Zierschriften
6. Schreibschriften
7. Gebrochene Schriften
8. Screen- und OCR-Schriften
9. Nichtrömische Schriften
Die Matrix Beinert wurde ausschließlich für die Praxis
- nicht für die Lehre - entwickelt, um damit in den Agenturen,
Verlagen und Ateliers Schriften eindeutig, einfach und schnell zu
katalogisieren.
Nähere Details unter: www.beinert.net/typografie/werkstattbriefe/
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