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was ist schrift ? |

 


Der Begriff „Schrift” steht für ein „System graphischer Zeichen zur lesbaren Darstellung von Gesprochenem bzw. für geschriebenen oder gedruckten Text”. Er entstammt dem ahd. „scrift” für „Schrift, Zeichen, Buchstabe, Aufzeichnung, geschriebenes Gesetz” (8. Jh.) aus dem lateinischen „scriptum” für „Schrift, Geschriebenes, Auftrag, Anweisung”; das mhd. „schrift” wurde klerikal konnotiert und bezeichnete neben der Schreibkunst auch die Bibel(schrift); mit dem aeng. „scrift” sowie im (älteren) engl. „shrift” wurde auch „Strafe, Buße, Beichte” bezeichnet.

Form & Gestalt der Schrift einer Epoche steht und standen stets in einem engen Zusammenhang mit der Kultur der jeweiligen Zeit. Insbesondere im Vergleich mit dem technischen Standard, der Architektur, Mode sowie populären philosophischen, politischen und auch künstlerischen Strömungen einer Epoche können Parallelen mit Form und Ausdruck der Schriftgestalt entdeckt werden.

Schrift ist eine der ältesten Kulturtechniken sichtbar gewordener sprachlicher Kommunikation, die auf der Evolutionsgeschichte von Bild zu Sprachzeichen aufbaut. Bei der Evolution der Schrift kann allerdings nicht von einer "linearen”, sondern eher von einer „horizontalen” Entwicklung gesprochen werden, da teilweise gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt, verschiedene Schriftsysteme mittels verschiedener technischer Niveaus entstanden.

Ausgehend von Höhlenbildern, Kerbhölzern und Knotenschriften (Quipus), die bereits Mayas und Azteken als mnemotechnische Hilfsmittel benutzten, setzt die konkretere Formentwicklung von Buchstaben archäologischen Funden zufolge vor ca. 7000 Jahren ein. Die Instrumentarien der Schrift-Kulturtechnik entwickeln sich aus Zeichenschriften und Piktogrammen über Ideogramme (Begriffszeichen) und Hieroglyphen zu Wortlautzeichen und schließlich zu ersten Konsonanten- und Silbenschriften (der Keilschrift der Sumerer) und dem Alphabet.

Und obschon die Unterteilung der Schriften - auch betreffend verschiedener Übergangsphasen eher schwammig erscheint, so ist gewiß, dass uns die abstrakten Gedankenleistungen aller Personen, die bei der Entwicklungen von Schriften mitgewirkt haben, uns bis heute beeinflussen.

Ecke Bonck, zeitgenössischer Startypograf und „Typosoph” – beim Entwurf von NASA-Logos ebenso beteiligt wie bei Großausstellungen wie der Documenta in Kassel – bezeichnet die Buchstaben des Alphabets gar als „energetische und mystische Zeichen”, in denen das gesamte „Wissen der Evolution” gespeichert ist.

Weltweit beträgt die Gesamtzahl aller verschrifteten Sprachen, die in Gebrauch waren und noch sind – rund 660.