Wurmlöcher

 

Alien Poo, extraterrestrische Lebensform
ist seit 1995 GastprofessorIn am
Institute of Nothing-Technology
& Nothing-Science sowie auch authorised
Member of cabinet 9.
   
   
 

 

:: laborberichte ohne ergebnis:: ausgabe 001 ::
:: nichts ist möglich, nichts passiert! ::

Freund, Feind oder gar Nichts?

Beobachtungen zur Freund- und
Feind-Bildungsgeschichte von Alien Poo

 

Das „Ich” scheint bekannt, vertraut, verstanden – als Materie durch Haut begrenzt und im Körper beschlossen. Das Fleisch ruht geduldig und im intimen Korpus oszillieren Werte und Güter des Geistes, womöglich. Oder auch nicht. Aber währenddessen: Einigkeit auf der vermessenen Landkarte des Selbstverständnisses, die der Bewegung einen Rahmen bestellt. So scheint das Eine vollkommen in seiner Einheit.

Auf den Tangenten ideologischen Ideenguts bilden mehrere Einheiten eine Mehrheit, die wiederrum zur mehrheitlichen Einheit verschmilzt. Die Ampeln werden auf grün geschalten, „Heimat” blinkt auf und endlich können sich alle hinsetzen, sei es nun auf und in ihre vertraut blinkende Umgebung, auf ein Gleichgesinnung evozierendes Gesicht oder vor den Fernseher.
Doch da Einheit nur in Relation zu einem „Anderen” bestehen kann, ist sein Fortbestand vom Rohstoff „Anderen” abhängig. Eine multifunktionelle Nutzbarmachung dieses Rohstoffs – als „Freund” oder auch „Feind” – ist in beiden Fällen der Einheit zuträglich und in jedem Sprachkosmos einfach kommunizierbar.

Sind Freunde wirklich gut ...

„Freund” impliziert Verschmelzung der Einheit zur fusionierten Gemeinheit eines sodann immer mächtiger werdenden Gemeinschaftsorganismus, dessen Wirken auf Wachstum und Stabilität ausgerichtet ist. Die Stabilität des Großorganismus stützt sich auf Werte, deren Kurs sich wiederum am Wert der Individualität orientiert:

Desto „fleißiger” man einspart umso stabiler das Gesamtsystem; desto mehr Identität die Einzelnen her- und damit aufgeben, umso abhängiger werden sie von der Großidentität des Gesamtorganismus.

Einige nennen diese Großidentität liebevoll „Wirtschafts-” oder „Militärmacht”, die Geschäftstüchtigeren unter ihnen gaben ihnen den Namen „Schönheit” – woher sich auch der heute noch fälschlich gebräuchliche Begriff des „gutes Geschmacks” ableiten läßt.

... Feinde wirklich böse?

Wird jedoch der Titel „Feind” verliehen – und das an den äußeren Enden seiner Fremdheit als ideologisierte, virulente Bedrohung –, mobilisiert dies die indogenen Abwehrkräfte der Einheit zur Hochpotenz.

Die Einheit verschmilzt nun schneller und weit ökonomischer zum Großorganismus samt seiner Identitätssparmaßnahmen, nur wird hier die Stresshormonproduktion angeregt. Und dies ist der Sinn jedes vagen Feindwahlverfahrens: Denn die Stresshormone werden dann in Sammelbecken aufgefangen und erreichen nach einiger Gärungszeit ihren Reifezustand einer vollmundigen „Angst”. 2003 gab es in den USA einen guten Jahrgang.

Denn Angst ist die gnadenloseste und aggressivste Exekutorin der Geschichte; sie schafft breitenwirkend und nationenübergreifend dynamische Anspannungsfelder, die imstande sind, Naturgesetze, Logik und Rationalität komplett auszuhebeln.

In diesem Fall gilt: desto mehr Angstsaft – umso betrunkener der Großorganismus – umso wakeliger die Konstruktionen der Feindhäuser, in dem alles „fremde” und „unbekannte” eingesperrt wird. Da dies aber niemand auffällt, wird die Feindbildproduktion angekurbelt, damit das Saufen ewig weiter-und auch bis zum Umfallen gehen kann.

Egal also ob das Gegenüber das Anlitz eines Freundes oder Feindes trägt, angesichts der Identitätsaufhebung des Einzelnen im globalen Großorganismus unterscheiden sich beide voneinander vorerst durch nichts.

Aber dies „Nichts” kann von Vorteil sein: denn es ist noch unerforscht, nicht verifizierbar und unantastbar gegenüber ideologischem Mißbrauch. Es kann somit weder als Beurteilungskriterium noch als „Corpus Delicti” herhalten und ist völlig legal. Da es nichts kostet, ist es obendrein auch wirtschaftlich ökonomisch und frei zugänglich!

Folglich haben wir hier einen freien Zugang in einen grenzenlosen Raum mit grenzenlosen Möglichkeiten. Im Nichts verhallen Wertigkeiten, Sprache oder schnödes Material ohne Wert und Resonanz in der Bedeutungslosigkeit.

Und ist das Gewicht der Bedeutung abgelegt, tritt beim Betreten des Nichts eine Art Schwerelosigkeit ein, die dazu berechtigt, einfach „außer sich” und damit außerhalb des Gesamtorganismus existieren zu können und gleichsam sich selbst und allem, was ist und sein kann, näher zu sein als je zuvor.

Dieses Nichts war, ist und wird immer sein. Und: Nichts wird überleben ...

[alien poo]



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