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ausgabe 001 ::
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Freund, Feind oder gar Nichts?
Beobachtungen zur Freund- und
Feind-Bildungsgeschichte von Alien Poo
Das Ich scheint bekannt,
vertraut, verstanden als Materie durch Haut begrenzt und
im Körper beschlossen. Das Fleisch ruht geduldig und im intimen
Korpus oszillieren Werte und Güter des Geistes, womöglich.
Oder auch nicht. Aber währenddessen: Einigkeit auf der vermessenen
Landkarte des Selbstverständnisses, die der Bewegung einen
Rahmen bestellt. So scheint das Eine vollkommen in seiner Einheit.
Auf den Tangenten ideologischen
Ideenguts bilden mehrere Einheiten eine Mehrheit, die wiederrum
zur mehrheitlichen Einheit verschmilzt. Die Ampeln werden auf grün
geschalten, Heimat blinkt auf und endlich können
sich alle hinsetzen, sei es nun auf und in ihre vertraut blinkende
Umgebung, auf ein Gleichgesinnung evozierendes Gesicht oder vor
den Fernseher.
Doch da Einheit nur in Relation zu einem Anderen bestehen
kann, ist sein Fortbestand vom Rohstoff Anderen abhängig.
Eine multifunktionelle Nutzbarmachung dieses Rohstoffs als
Freund oder auch Feind ist in beiden
Fällen der Einheit zuträglich und in jedem Sprachkosmos
einfach kommunizierbar.
Sind Freunde wirklich gut ...
Freund impliziert
Verschmelzung der Einheit zur fusionierten Gemeinheit eines sodann
immer mächtiger werdenden Gemeinschaftsorganismus, dessen Wirken
auf Wachstum und Stabilität ausgerichtet ist. Die Stabilität
des Großorganismus stützt sich auf Werte, deren Kurs
sich wiederum am Wert der Individualität orientiert:
Desto fleißiger
man einspart umso stabiler das Gesamtsystem; desto mehr Identität
die Einzelnen her- und damit aufgeben, umso abhängiger werden
sie von der Großidentität des Gesamtorganismus.
Einige nennen diese Großidentität
liebevoll Wirtschafts- oder Militärmacht,
die Geschäftstüchtigeren unter ihnen gaben ihnen den Namen
Schönheit woher sich auch der heute noch
fälschlich gebräuchliche Begriff des gutes Geschmacks
ableiten läßt.
... Feinde wirklich böse?
Wird jedoch der Titel Feind
verliehen und das an den äußeren Enden seiner
Fremdheit als ideologisierte, virulente Bedrohung , mobilisiert
dies die indogenen Abwehrkräfte der Einheit zur Hochpotenz.
Die Einheit verschmilzt nun schneller
und weit ökonomischer zum Großorganismus samt seiner
Identitätssparmaßnahmen, nur wird hier die Stresshormonproduktion
angeregt. Und dies ist der Sinn jedes vagen Feindwahlverfahrens:
Denn die Stresshormone werden dann in Sammelbecken aufgefangen und
erreichen nach einiger Gärungszeit ihren Reifezustand einer
vollmundigen Angst. 2003 gab es in den USA einen guten
Jahrgang.
Denn Angst ist die gnadenloseste
und aggressivste Exekutorin der Geschichte; sie schafft breitenwirkend
und nationenübergreifend dynamische Anspannungsfelder, die
imstande sind, Naturgesetze, Logik und Rationalität komplett
auszuhebeln.
In diesem Fall gilt: desto mehr
Angstsaft umso betrunkener der Großorganismus
umso wakeliger die Konstruktionen der Feindhäuser, in dem alles
fremde und unbekannte eingesperrt wird.
Da dies aber niemand auffällt, wird die Feindbildproduktion
angekurbelt, damit das Saufen ewig weiter-und auch bis zum Umfallen
gehen kann.
Egal also ob das Gegenüber
das Anlitz eines Freundes oder Feindes trägt, angesichts der
Identitätsaufhebung des Einzelnen im globalen Großorganismus
unterscheiden sich beide voneinander vorerst durch nichts.
Aber dies Nichts kann
von Vorteil sein: denn es ist noch unerforscht, nicht verifizierbar
und unantastbar gegenüber ideologischem Mißbrauch. Es
kann somit weder als Beurteilungskriterium noch als Corpus
Delicti herhalten und ist völlig legal. Da es nichts
kostet, ist es obendrein auch wirtschaftlich ökonomisch und
frei zugänglich!
Folglich haben wir hier einen
freien Zugang in einen grenzenlosen Raum mit grenzenlosen Möglichkeiten.
Im Nichts verhallen Wertigkeiten, Sprache oder schnödes Material
ohne Wert und Resonanz in der Bedeutungslosigkeit.
Und ist das Gewicht der Bedeutung
abgelegt, tritt beim Betreten des Nichts eine Art Schwerelosigkeit
ein, die dazu berechtigt, einfach außer sich und
damit außerhalb des Gesamtorganismus existieren zu können
und gleichsam sich selbst und allem, was ist und sein kann, näher
zu sein als je zuvor.
Dieses Nichts war, ist und wird
immer sein. Und: Nichts wird überleben ...
[alien poo]
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