:: biochemische zeit-paradoxie
::
Der Gesamtorganismus des menschlichen Körpers
ist ein komplex vernetztes System, in dem ein ständiger Auf-
und Abbau von Substanzen stattfindet. Gekoppelte Interaktionen zwischen
den einzelnen Organen und Subsystemen (Zellen) sind Kennzeichen
der Komplexität des Organismus.

So setzt beispielsweise das Schlagen
des Herzens der biologischen Uhr ein vom
menschlichen Verstand unabhängiges und korrekt aufeinander
abgestimmtes Verhalten von Millionen von Herzmuskelzellen voraus.
Wissenschaftliche Tests, bei denen versucht wurde, durch Extraktion
verschiedener Gehirn- und Körperzellen die Lokalität des
biochemischen Zeit-Zentrums zu lokalisieren, blieben
ohne Ergebnis. So ist der Rhythmus nicht eine Eigenschaft
eines bestimmten Organs oder einer biologischen Uhr. Der ganze Organismus
ist die Uhr. (John Orme, Biologe)
Bereits simple biochemische Prozesse,
wie Reaktionen auf verschiedene Temperaturen des menschlichen Körpers,
beeinflussen aber auch unseren Verstand: Unter kühlen Temperaturen
verdichtet sich die Zeit im Bewußtsein des Menschen
und läuft schneller ab, während sie bei wärmeren
Temperaturen als langsamer empfunden wird und sich somit dehnt.Während
der 24-Stunden-Rhythmus bei Pflanzen und Tieren evolutionsbedingt
determiniert scheint, herrscht über die menschlichen
Tag- und Nacht-Zyklen noch Uneinigkeit. Wissenschaftliche Versuche
weisen jedoch auf einen 25-Stunden-Zyklus des Menschen hin.
Verläuft nun der menschliche
Zyklus asynchron zu den Tag-Nacht-Zyklen des Sonnensystems, so nimmt
es kaum Wunder, warum die abendländischen Kulturen großes
Interesse daran haben, diese Divergenz zu kompensieren oder besser:
zu bekämpfen!
Doch ehe der Mensch als
selbsternannte Krone der Schöpfung in der Anpassung
an Naturgegebenheiten freiwillig Macht einbüßt,
erfindet er präventiv einen neuen Feind: die Zeit.
Um diesen Feind besser unter Kontrolle zu halten zu können,
wird eine Kampfmaschine entwickelt, der man den Namen
Uhr gab. Ihre Funktion basierte auf einem Mechanismus
namens Hemmung, der die Kraft eines fallenden Gewichtes
unterbrach und so die Freisetzung von Energie und die Bewegung der
Zahnräder kontrollierte.
Dass das Ideal der endgültigen
Zeitkontrolle aber auch Killerambitionen mit sich trägt, ironisierte
George Woodcock in »The Tyranny of the Clock« ziemlich
treffend: Es ist ein häufiger Umstand der Geschichte,
dass eine Kultur oder Zivilisation das Hilfsmittel entwickelt, das
später zu ihrer Zerstörung verwendet wird.
Für die Zukunft gilt folglich:
Das Glück is a Rabe ... die Zeit spielt verrückt
und dies kann in der film-dv-produktion timesquare
genau verfolgt werden ...
[Alma Karl]
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