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bißchen comic-theory |
das wesen des comic |
Comics sind als bunte Bildgeschichten weithin bekannt. Was weniger
bekannt ist: Sie müssen wirklich nicht "lustig sein
und darüber hinaus finden wir unter der Sammelbezeichnung "Comics
eine Vielzahl von Disziplinen
wieder, die bedingen, dass ein Comic überhaupt entstehen kann.
Oft bediente Parallelen stellen die Naheverhältnisse des Comics
zu Film und Literatur dar, die sich u.a. aus der Erzählform
ergeben. Wohingegen in der Literatur das Bild jedoch erst im Kopf
der LeserInnen entsteht, stellen im Comic wie auch im Film die Einstellungen,
(Kamera-) Perspektiven und Montagetechniken feste Größen
dar. Vom Film unterscheidet sich der Comic durch die Anzahl der
Bilder, durch die vom Film diktierte Zeit (in
der dieser gelesen werden muß) und durch Tiefenschärfe
und möglichen gleichzeitig ablaufenden Nebenhandlungen. Der
Bereich der Zeit bietet bei der Rezeption von Comic-Erzählungen
somit größtmögliche individuelle Freiheit
wohingegen Rezeptions-Zeitabläufe beim Film vorgegeben sind.
Größtmögliche individuelle Freiheit
bestimmt auch das Wesen des Comic, denn so stehen die Wahl und Anzahl
der Comic-DarstellerInnen, die Konstruktion aufwändiger Architektur
und Stadtschluchten, modernste technische Apparaturen und Fahrzeuge
wie auch exzessiv-verzerrte oder höhenverschobene Bildsequenzen
etc. jeder/jedem ComicautorIn zur Verfügung, die/der gute Ideen
hat und sich einer annähernd glaubhaften Darstellung fähig
erweist.
Unabhängig von einer (hollywood-ähnlichen) Produktionsmaschinerie
und einem dementsprechenden Budget kann der Comic somit imposante
Inszenierungen hervorbringen, die lediglich auf guten Ideen,
ein paar Blättern Papier und Zeichenstiften basieren. Hier
ist und bleibt sofern von Verlagsvorgaben oder anderen zeitungstechnischen
Inhalts- und Gestaltungs-Regeln frei das Medium autonom.
Im Medium Comic herrscht somit nahezu Anarchie und das der Erfolg
trotzdem nicht ausbleibt, zeigen ein Großaufgebot von Film-
und Animationsfilmproduktionen wie auch die aktuelle Wiener Musicalproduktion
Barbarella (1962 von Jean-Claude Forest erschaffen),
die allesamt auf einst gewagten Comic-Innovationen einzelner KünstlerInnen
basieren (Innen-Suffix durch steigende Fraueninitiative im Comic-Bereich
mittlerweile legitim).
Im Gegensatz zu Kinofilm und TV, die durchaus passiv konsumiert
werden können, ist der Comic ähnlich der Literatur
ein (inter)aktives Medium. Dies deshalb, da
die Erzählung in sequenziellen Einzelbildern (Zeitsprüngen)
abläuft und die Zeit- und Geschehnis-Auslassungen somit von
LeserInnen aktiv gefüllt werden müssen. Durch die (meist
vorkommende) Verbindung von Text und Bild werden beim Lesen gleichzeitig
beide Gehirnhälften aktiviert: Die Bilder aktivieren die
rechte Gehirnhälfte (assoziatives, emotionales und ästhetisches
Zentrum) die abstrakten Schriftzeichen fördern eine
Aktivität der linken Gehirnhälfte (rationales, logisches,
analytisches Zentrum).
Genauer betrachtet, ist das Medium Comic hinsichtlich
seines didaktischen Wertes dem Film- wie der Literatur also überlegen.
Somit könnte er nicht nur als Hoffnungsschimmer gegen den wachsenden
Analphabetismus der westlicher Industrieländer gesehen werden,
sondern auch eine berechtigte Alternative zu den sich stets wiederholenden
Inhalten (Sex, Crime & Money) in Kino und TV darstellen.
An progressiveren Schulinstitutionen finden die didaktische Fähigkeiten
des Mediums bisweilen auch schon Anwendung: Die intuitive Leseeigenschaft,
die Comics mittels der Verschmelzung von rationalem Text
und emotional-erfahrbaren Bild aufweisen, läßt
die Lernangst vor komplexen Stoffen schwinden und macht Fächer
wie Fremdsprachen- und Geschichtsunterricht zu intuitiv erfahrbaren-
und damit auch leichter lernbaren Wissensgebieten.
Die intuitive Erzählstruktur des Comics zeichnet ihn aber auch
als funktionierendes kosmopolitischen Kommunikationsmittel
aus. Wo Wort- und Phraseninterpretationen kulturübergreifend
oft mißverständlich rezipiert werden können, sprechen
Bilder eindeutigere Worte. So wird ein schmerzverzerrtes oder fröhlich-lachendes
Gesicht an jedem Ort der Welt, die selbe Emotion hervorrufen. Es
ist folglich auch kein Zufall, dass an Orten interkulturellen Zusammentreffens
wie beispielsweise in Flugzeugen Anweisungen für
das Verhalten in Notfällen oft in sequentiellen Bildabläufen
also in Form der sequentiellen
Kunstform "Comics dargestellt sind.
Der Comic besitzt ein ungemein großes Potential und darüber
öffentlich in Symposien und Veranstaltungen mehr zu reden wäre
der österreichischen Kultur-Auffassung sicher zuträglich.
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