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Im einfachsten Fall steckt wie bereits erwähnt
hinter einer guten Comic-Story vorerst eine gute Idee, Papier und
Zeichenstifte. Aus der Idee entsteht ein Storyboard oder bereits
eine Skizze, die mit zeichnerischer Stilsicherheit ausgeführt
wird.
Um die Erzählung interessant umzusetzen benötigt jede/r
ZeicherIn jedoch auch literarisches Talent für den Aufbau und
die Strukturierung des Inhalts sowie ein fototechnisches bzw. filmisches
Vorstellungsvermögen, um den Inhalt mittels adäquater
Bild-Einstellungen auflösen zu können.
Nach der Idee wirkt aber bereits bei der Storyboard- und Skizzen-Arbeit
ein umfassendes oft unterschätztes Spektrum untereinander-vernetzter
Wissensbereiche mit:
Visuelles Gedächtnis und Vorstellungsvermögen:
Da Zeichen-Vorlagen zur detaillierten oder angedeuteten Darstellung
meist nicht vorliegen, müssen Situationen, Personen, Geräte,
Räume, Landschaften etc. meist aus dem Gedächtnis abgerufen
werden können.
Anatomie & Bewegungsstudien: zur glaubhaften Darstellung
von Figuren; auch bei der reduziertesten, abstraktesten Darstellung
einer Figur ist die Kenntnis der Funktionsweisen von Körpern
notwendig;
Schauspiel: Schauspielerisches Einfühlungsvermögen
zur glaubhaften Darstellung verschiedener Emotionen und Gemütslagen
der Charakteren; einige Comic-ZeichnerInnen (auch ich) haben deshalb
auch einen Spiegel in der Nähe ihres Zeichentisches platziert;
Psychologie: zur Darstellung von psychologischen Abläufen
zwischen den den einzelnen Charakteren; irrationale oder nicht nachvollziehbare
Handlungen oder Emotionen lassen die Erzählung meist zu künstlich
oder aufgesetzt und damit unglaubwürdig wirken;
Perspektive: Gleich der Kameraführung im Film, sind
zur dramatischen Inszenierung einer Erzählung meist Perspektivenwechsel
notwendig; dazu ist die Fähigkeit notwendig, eine Situation
oder Umgebung, einen Raums, ein Ding oder auch Figur etc. aus verschiedenen
Perspektiven darstellen zu können.
Archiktur und Statik: zur glaubhaften Darstellung von einzelnen
Gebäuden, Stadtschluchten, Brücken wie auch komplexen
Konstruktionen etc;
Design: für die Gestaltung von Dingen, Geräten,
Maschinen, Autos etc. notwendig, denn: jedes Ding wird durch Design
sichtbar;
Mechanik: zur Darstellung von Funktionsweisen- und Abläufen
von Geräten, Maschinen u.a. notwendig; wer z.B. ein Auto oder
auch bloß seine Tür zeichnen will, muß wissen wie
die Dinge funktionieren;
Physik: wichtig für die Darstellung von Bewegungen,
Gewichten, Dichte etc. von Personen und Gegenständen; eine
Feder wird beispielsweise eine andere Fallbewegung durchlaufen und
einen anderen Aufprall auslösen als ein Stein;
Materialwissen: wichtig für die Darstellung von Oberflächen
und Dichte von Materialien und Substanzen (z.B. Darstellung von
Glas, schwerem Samt, einem dünnen Leinentuch, dickflüssigem
Leim oder Wasser etc.)
Farbenlehre: Wissen um emotionale Farbwirkung dient dem
dramaturgischen wie auch dramatischen Aufbau einer Geschichte; für
direktcolorierte Comics spielt auch Farbenkunde eine große
Rolle;
Kalli- und Typografie:
wichtig für die Inszenierung, Gliederung und Ästhetik
von Textdarstellungen (Balloontexte, Erzählertexte, Onamatopoien
etc.) im Comic; handgeschriebene Texte geben jedem Comic eine persönliche
Note und steigern im Gegensatz zu Computersatz-Texten
seine Ausdruckskraft; große/fette Buchstaben wirken schreiend,
kleine/dünne wirken leise;
Dramaturgie: Zur spannenden Umsetzung einer Erzählung
bedarf es einer dramaturgischen Bildinszenierung- und abfolge;
dies betrifft im Comic u.a. auch die Panelhierarchie (Größe
und Form der einzelnen Panels, Farbrhetorik etc.);
Dialog- und Bildregie: beschäftigt sich mit Inhalt
und Form von Dialogen, Buchstaben, Balloons und Rahmen (Panels)
sowie der gesamten Blattkonzeption und Inszenierung; das Zusammenspiel
von Bild und Text sowie deren Inhalten bestimmt und definiert die
Handlung und emotionale Wirkung einer Comic-Erzählung;
Aneignung spezifischen Wissens:
Der Aufbau einer Comic-Erzählungen, die in spezifische Kulturen
(z.B. Afrika), Zeiten (z.B. historischer Comic, SF-Comic) oder Bereichen
(Seefahrt, Martial-Art, Esoterik etc.) abläuft, setzt Recherchen
auf den benötigten Gebieten voraus.
uvm.
AnfängerInnen sollen sich aber bitte nicht von dieser Fülle
an technischen Know-How abschrecken lassen, sondern einfach loszeichnen,
darüberhinaus noch aufzeichnen und in der Freizeit zum Ausspannen
ein bißchen zeichnen ...
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