bißchen comic-theory |
jagd auf comics |
Wie schon mehrfach erwähnt, erscheint die Situation der österreichischen
Comic-Kunst aufgrund mangelnder Ausbildungsstätten und
öffentlicher Kommunikation trotz vielfältiger Initiativen
nicht gerade rosig. Wohingegen sich die Wertschätzung gegenüber
der Comic-Kunst mittlerweile im gesamten europäischen durchsetzen
konnte, haftet den Comics beim Groß der ÖsterreicherInnen
noch ein veraltetes Image an, dass auf der Schundheft-Grammatik
der Comic-Hetze der 50er Jahre fußt.
Damaliger Auslöser der vernichtenden Kritik am Medium Comic
war der amerikanische E.C.-Verlag, der nach dem Abflauen der Superheldenhypes
nach Ende des 2. Weltkrieges mit neuen spektakuläre Inhalten
experimentierte, sie in Gewalt- und Horror-Comics fand und diese
mit großen Erfolg absetzen konnte ...
Um nun über die wichtigesten Ws dieser Comic-Jagd
weiter zu informieren, möchte ich hier aus einem von Harald
Havas verfassten Text zitieren, der in der Publikation Comic-Welten
(Hg. Von Gerhard Habarta, Texte von Harald Havas, Edition Comic
Forum Wien 1992) zum Thema Comic-Verfolgung publiziert
wurde.:
"
Im Laufe der 50er Jahre kam es zu einer internationalen
Jagd auf das Medium Comic. (...) So wurden Comics an öffentlichen
Plätzen buchstäblich verbrannt. Der Auslöser für
die Comics-Hetze war ein Buch des Amerikaners Fredric Wertham mit
dem Titel "Seduction of the Innocent und löste einen
wahren Feuersturm der Anti-Comic-Hysterie aus. Für Wertham
waren Comics an allem schuld, was in unserer Gesellschaft schief
lief, von Jugendkriminalität über sexuelle Perversionen
bis hin zum Rassismus. Der Volkszorn richtete sich vor allem gegen
Crime- und Horrorcomics, die damals wie heute bei jungen Lesern
sehr beliebt waren.
Bald fanden sich auch in Europa besonders im deutschsprachigen
Raum Jugendschützer, die die bunte Bilderpest,
die Schundhefte auszurotten versuchten.
1954 kam es vor einem Unterausschuß des amerik. Senats in
New York zu einer Anhörung in dieser Sache. Und obwohl es vor
allem um die eben beschriebenen Crime- und Horrorcomics ging, stellte
sich diese Anhörung als Desaster für das öffentliche
Bild von Comics dar.
Und obwohl der erste Zusatz zur amerikanischen Verfassung jede
Form von Zensur verbietet, unterwarfen sich die US Comic-Verleger
noch im selben Jahr einem selbstauferlegten freiwilligen Darstellungscodex
den Comic-Code-Autority, eine Art Vorzensurkommission,
der jahrzehntelang Gültigkeit behalten sollte. So weitgehend
wie im Comics-Code wurde kein anderes Medium eingeschränkt.
Verboten waren fortan alle Darstellungen von Gewalt, Sex und Sadismus
aber auch Stellungnahmen in politischen Fragen (wie auch jede detaillierte
Beschreiung eines Verbrechens, jede Darstellung von unehelichen
Beziehungen, jede Darstellung von körperlichen Gebrechen, jede
Anspielung auf sexuelle Perversionen beliebiger Art etc.)
Das Korsett, in das man die Inhalte der Comics zwängte, war
sehr eng. Die Anwendung auf andere Medien wie Film oder Literatur
unvorstellbar.
In Frankreich verbot man per Gesetz alle ausländischen
Action-Serien und legte somit ungewollt den Grundstein für
Frankreichs heutige Comic-Industrie. In Deutschland wurde die Bundesprüfstelle
für jungendgefährdende Schriften gegründet, die alles
indiziert, was jugendgefährdent sein könnte, auch, wenn
es für Erwachsene gemacht worden ist.
Das Geschäft erholte sich zwar in den 60er Jahren und Comics
erfuhren Einzug in Ausstellungen und Festivals, aber unter künstlerischen
Gesichtspunkten war der Comic auf lange Zeit angeschlagen.
[Bild rechts entnommen aus: Comic-Welten (Hg. Von Gerhard
Habarta, Texte von Harald Havas, Edition Comic Forum Wien 1992]
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