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comic-history |
Die Entstehungsgeschichte von Comics liest sich überraschend
facettenreich. Die Fachliteratur befindet sich abhängig
vom Usprungsland der Autoren schlichtweg im Widerspruch.
Folglich kursieren unter Comic-Fachleuten mehrere Theorien zur Entstehungsgeschichte
von Comics, die verschiedene Zeitpunkte und geographische Gebiete
fokussieren. Die häufigst auftretenden drei Comic-Geschichtszugänge
habe ich hier zusammengefasst:
a) comics sind eine erfindung der ägypter
Als Ursprung der Comics sind ägyptische Malereien (ca.
1400 v. Chr.) anzusehen; Argument: In der frühen ägyptischen
Malerei wurden Abläufe in Form von Sequenzen dargestellt.
Angesichts der Fülle an Entstehungsinterpretationen plädiere
ich vorerst und grundsätzlich für eine zeitlich wie räumlich
nonlineare Entwicklung, die durchaus in ihren Ursprüngen auf
frühen Höhlenmalereien fußt. Dies einerseits deshalb,
da es in Anbetracht der existierenden Definitions-Vielfalt
auch schwierig erscheint, die Entstehung auf einen genauen Zeitpunkt
festzulegen (wie etwa die auf 1662 in Nürnberg datierte Erfindung
des Bleistifts); zum anderen deshalb, da das heutige Verständnis
des Mediums Comic als sequentielle Kunst
in Form von Einzelbildern nahezu immer schon da war
und wie die Schrift viele Metamorphosen einer Comic-Evolution
erlebte. So wurden z.B. in Spanien sequentielle Darstellungen von
Jagdszenen entdeckt, die bis ins Jahr 10.000 v. Chr. zurückführen.

b) comics wurden in europa erfunden
Ursprungsland der Comics ist Europa; 18. bis 19. Jhdt; Argumente:
-
England: Erste sequentielle Abfolgen in den Bildfolgen
des engl. Zeichners und Kupferstechers William Hogarth (Mitte
18. Jhdt.), dessen malerischen Bildfolgen als Serien ausgestellt
wurden, waren dazu konzipiert, sequentiell betrachtet zu werden.
-
Frankreich: Erste Verbindungen von Text und Bild in
illustrierten Romanen (ca. 1830) des frankoschweizer
Schriftstellers, Künstlers und Universitätsprofessors
Rudophe Töpffer.
Die Comics entstanden aus den Bilderbögen des
14. und 15. Jhdts. Durch die verbesserten Druckverfahren entstanden
m 19. Jhd die ersten satirischen Zeitschriften (z.B. Punch GB,
Le Charivari Fr.). Die ersten Bildergeschichten zeichnete der
schweizer Schriftsteller, Künstler und Universitätsprofessor
Rodolphe Töpffer (1799 - 1846). Auf Anraten Goethes veröffentlichte
er 1833 sein erstes Album 'Histoire de Monsieur Jabot'.
(Dietrich
Grünewald)
-
Deutschland: Erste Verbindung von Text und Bild in den
Werken des deutschen Malers und Zeichners Wilhelm Busch (1832-1908).
In einigen Fachbüchern wird Busch zwar als Inspirator nicht
aber als Comic-Zeichner anerkannt, da er den Text außerhalb
des Bildes plazierte.
Bei Fokussierung auf die Zeitdaten und Reprästentationsformen
nach der Erfindung der Druckerpresse erscheint Rudolphe
Töpffer, der bereits 1833 sein erstes Album, die Histoire
de Monsieur Jabot veröffentlichte, noch am ehesten sinnhaft.
Auch wenn das Medium damals noch unter Bezeichnungen wie grafische
Novellen oder illustrierte Romane zutage trat,
trägt der bewußt eingesetzte Kunstgriff der narrativen
Text-Bild-Kombination definitive Merkmale des Comic.
Der relativ frühen Auseinandersetzung mit dem Medium ist es
wohl auch zuzuschreiben, das sich der Comic im französischen
Sprachraum abseits amerikanischer Comic-Superkräfte
späterals eigenständige und feingliedrige Kunstform
entwickeln konnte, die neue Comic-Techniken wie die Ligne
Claire (Serie Tintin des Zeichners Hergé
alias Georges Rémi) hervorbrachte. Allerdings sei auch angemerkt,
dass Frankreich im Laufe der Comic-Zensur, die zum Großteil
amerikanische Produktionen betraf, die Einfuhr der US-Produktionen
unterband, wodurch die inländische (wie auch die gesamteuropäische)
Comic-Produktion indirekt gefördert wurden und sich ein vielschichtiger
Markt entwickeln konnte. Funny-Serien wie Franquins Spirou
(F) oder Asterix (von R. Goscinny und A. Uderzo; I) zählen
heute zu noch immer beliebten Klassikern.
Zum Zweck der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Medium
Comic war es denn auch ein Franzose, der Literaturwissenschaftler
Francis Lacassin, der Anfang 1962 den C.B.D. (Club des Bandes Dessinées)
gründete, der später zu C.E.L.E.G. (Centre dÉtude
des Littératures dExpression Graphique) heranwuchs.
C.E.L.E.G.s pionierhafte Aktivitäten richteten sich auf die
Betrachtung des Comic im künstlerischen, kunsthistorischen
und theoretischen Zusammenhang. 1971 gelang Lacassin dann ein Eintrag
in der französischen Enzyklopädie Grande Encyclopédie
Alphatbetique Larousse, in der er die Comic-Kunst als 9.
Kunst ausrief und damit eine Definitions-Synonym ins Leben
rief, das sich international durchsetzen konnte. Zu 9.
Kunst siehe www.comic.de
(Rubrik Helferlein, Titel Comic-FAQ, Fachbegriff:
F2).
Das Naheverhältnis des französischen Comic zur sensibleren
Literatur sowie auch die öffentliche Wertschätzung
des Mediums zeichnen den frankobelgischen Raum auch heute noch als
Drehscheibe europäischer Comic-Kultur aus. Eigene
Comic-Museen, Ausstellungen sowie ein vielfältiges Veranstaltungs-
und Bildungsangebot an Comic-Kunstschulen geben davon ein vielfältiges,
feingliedriges und qualitativ ausgereiftes Zeugnis.
c) comics wurden in amerika erfunden
Ursprungsland der Comics ist Amerika um 1900; Argument:
Erste Verbindungen von Text und Bild in der Serie "The Yellow
Kid von R. F. Outcault (1896, USA) in Joseph Pullitzers "New
York Post. Entspricht der Theorie, dass Comics vorrangig als
"Comic-Strips, also als kurze Zeilenhafte Bildserien
in Zeitungen und Zeitschriften ihren Anfang nahmen;
Ethymologisch den ins Deutsche übernommenen Begriff Comic
betreffend mag die amerikanische Theorie wohl zutreffen,
da der heute gängige Begriff Comic wohl von den
damals in den USA publizierten Comic-Strips abgeleitet
wurde. Allerdings bezieht diese Theorie nur den Begriff nicht aber
die Entstehung der Kunstform selbst mit ein; auch wenn sich der
Comic in den USA später auf eine gigantischen Zeitungs- und
Publikationsmaschinerie stützen konnte. Dieser mächtige
Medienmaschine sind allerdings die öffentliche Verbreitung
und auch wichtige Entwicklungssprünge des Comic-Mediums zu
verdanken; wie auch die Tatsache, dass im im Sektor der Comic-Sekundärliteratur
Amerika meist als Hauptakteur auftritt. In der folgenden Chronologie
habe ich deshalb versucht, die amerikanischen Entwicklungen im internationalen
Kontext darzustellen.
populäre comic-chronologie |
Am Anfang war der Zeitungsstrip
In den USA begann es um 1895 mit den Zeitungszaren
Joseph Pulitzer und William Hearst, die bemerkten, dass sie den
Absatz ihrer Zeitungen mithilfe von Illustrationen und Bildgeschichten
(Comic-Strips) erheblich steigern konnten. Pulitzer verpflichtete
Richard Outcault als Zeichner und publizierte Down Hogans
Alley, dass einen Charakter enthielt, der später
mit der damals neuen Druckfarbe Gelb zu einer eigenen Serie
heranwuchs: The Yellow Kid der vermeintlich erste
amerikanische Comic-Strip.
Der Startschuß für die Verbreitung von Comic-Strips
war somit getan und inspirierte auch andere Künstler wie Georg
Herriman (Krazy Kat) und Frederick Opper (Happy
Hooligan); Herrimans spätere Serie Krazy Kat
gilt heute auch wegen seinem surrealen Ideenreichtum
als Klassiker der Comic-Geschichte.
Bereits Anfang des 20. Jh. wurden die Strips zusammengefasst und
erschienen als Strip-Anthologien in Heftform zum Verkauf. Um einen
rechtlichen Background für den Verkauf von Nachrichten, Bildern
und Comics zu schaffen, gründete William Hearst 1912 ein News-Service,
dass später zum King Features Syndikat einem
der größten amerikanischen Comic-Vertriebe heranwuchs.
Die 20er Jahre waren auch für den Comic fruchtbar und so konnte
auch Walt Disney sein Trickfilmstudio, dessen Figuren Donald
und Mickey später Geschichte machen sollten, in
dieser Zeit aufbauen.
Comic-Hefte als Zeichen der Zeit
Die ersten reinen Comic-Hefte der USA entstanden dann um 1930.
Eingeführt als Gratis-Zeitungsbeilagen, konnten sie bald als
eigenständiges Medium an den Kiosken verkauft werden. Die Abenteuer
erblühten in Hal Fosters Tarzan und SF-Serien wie
Dick Chakins Buck Rogers und wurden zu Verkaufsschlagern.
Das King Features Syndikat nahm mit Alex Raymonds Flash Gordon
eine der später erfolgreichsten Comic-Serien auf.
Neben Abenteuer und SF konnte sich vor dem Background der Weltwirtschaftskrise
und dem 2. Weltkrieg schon bald ein neuer Genre-Typus etablieren:
die Superhelden-Comics. Gegen Ende der 30er Jahre erschien Bat
Man erstmals im relativ jungen Comic-Magazin Detectiv
Comics (heute Comic-Gigant: DC-Comics) während in den
Action Comics ein Superheld namens Superman
die Welt vor dem Bösen rettete. Die durchaus didaktische Wirkung
von Comics wurde in den USA rasch erkannt und sofort in Dienst
gestellt, so wurden Comics patriotischen Inhalts als Motivationshilfe
gratis an Soldaten verteilt, während Donald Duck in der zivilen
Welt für die US-Armee warb.
Nach Kriegsende verloren die Superhelden zunehmend an Bedeutung
und mußten ihre Marktanteile an Kriminalgeschichten (wie Will
Eisners Spirit), Western, SF, sozialspezifische Soap-Operas
wie später auch Horror- und Crime-Comics abtreten. Die Welt
wollte nun nicht mehr gerettet, sondern aufgeregt und unterhalten
werden. So erlebten die Horror-Crime-Comics des EC-Verlages in den
40er Jahren ein unglaublichen Zuwachs und lieferten Comics-Gegnern
aufgrund der Gewaltdarstellungen ungeahnterweise gewaltige Munition.
Comics und das Böse
Im Laufe der 50er Jahre fielen die Horror-, Terror- und Gewaltcomics
und damit das gesamte Genre sodann einer wortwörtlichen
Anti-Comic-Kampagne anheim, die sich über den gesamten Westen
ausbreitet und das Image des Comic-Genres nachhaltig schädigte.
So wurden die Schundhefte von ihren Gegnern sowohl als
Auslöser für Jugendkriminalität wie auch für
Rassismus und sonstige menschliche Perversionen entlarvt.
Zur Unterbindung des "Bösen erließ der amerikanische
Senat 1954 den Comic-Code, eine Art semi-freiwillige
Comic-Zensur, die sowohl Darstellungen von Gewalt und Sex wie auch
politische Stellungnahmen untersagte. In Deutschland entstand dazu
eine Art Pendant, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Schriften, die selbst deklarierte Comics für Erwachsene
strengen Prüfungsvorschriften unterwarf. Die gesamte Comic-Kultur
wurde somit in kreativer wie auch in politischer Hinsicht schlichtweg
mundtot gemacht. Harmlose Funny-Serien wie z.B. Mickey Mouse erlebten
dadurch im gesamten Westen einen Auftrieb und eroberten im Siegeszug
die Vorherrschaft auf dem internationalen Comic-Markt.
Internationale Comics-Revolution
In den 60er Jahren entwuchs der Comic seiner harmlos-kindlichen
Strichführung im Rahmen einer nahezu internationalen Comics-Revolution.
Neue kritische und teils schwarz-zynische Comic-Sparten entflohen
der Funny-Eierkuchenwelt der 50er-Jahre: In den USA entwickelte
sich im Rahmen der Hippie-Bewegung der Underground-Comics (u.a.
Robert Crumb), in Frankreich eine Form des intellektuallisierten
Avantgarde-Comics (u.a. Moebius); satirische und sexuell freizügige
Magazine, wie beispielsweise das U-Comics, entstanden und wurden
ins Russische übersetzt sogar im Osten vertrieben.
Die neuen, liberalen Genres waren unabhängig und
fanden auch dadurch ihren Absatz bei den funny-gelangweilten Comic-Konsumenten,
indem sie den Comic-Code mit dem Aufgreifen von Themen
wie Kunst, Politik, Sex und Drogen negierten. In dieser Ära
erschien auch einer der ersten erfolgreichen Sex-Comics des Franzosen
Jean-Claude Forest Barbarella.
In den siebziger Jahren erlebte der amerikanische Comic-Markt trotz
vieler neueröffneten Comic-Läden keine weitreichenden
Entwicklungen. Allerdings entsprangen dem europäischen Markt
neue Impulse: So entstanden neue Magazine (wie z.B. Zack)
sowie die damals noch neue Form des Comic-Sammelns,
in dessen Rahmen Erstausgaben wie auch Originale Wertsteigerungen
erfuhren.
Aufbauend auf langes Engagement und diesem Comic-Trend gelang dem
Franzosen Francis Lacassin 1971 die Begriffs-Etablierung der Comic-Kunst
als 9. Kunst. Das Comic-Genre erhielt dadurch
in den folgenden zwei Jahrzehnten frische Energie: Im französischen
Raum etablierte sich neben Groß-Verlagen eine vielschichtige
und feingliedrige Comic-Kultur, die auch die Gründung von Comic-Museen
miteinschloß. Deutschland erlebte mit den Erfolgen heimischer
Autoren wie wie Brösel, Walter Moers und Ralf König nahezu
einen Comic-Hype.
Comics im Demokratisierungsprozeß
Anfang der 90er gründeten ehemalige Zeichner amerikanischer
Großverlage unabhängige Verlagslabels (z.B. Image-Comics)
und bereicherten damit die Verlagsszene. Eine Reihe von Independent-Neuverlagsgründungen
folgte, wobei sich nur ein Bruchteil am Markt halten konnte. Auch
in Österreich wurden heimische Produktionen (z.B. Alp,
Mega Mobo) ins Leben gerufen, die allerdings auf provinziellem,
heimischen Boden wenig Chancen bekamen und bald wieder eingestellt
werden mußten.
Mitte der 90er Jahre verzeichneten die Großverlage, die ihre
Helden-Produktionen bisweilen auf ein jugendliches,
männliches und weisses Publikum zugeschnitten haben jedoch
große Einbußen. Ihre auf Unterhaltung konditionierte
Zielgruppe wurde nun von anderen Medien unterhalten: Game-Boys und
Spiel-Konsolen führten ihren Siegeszug in die Kinderzimmer
und damit die internationale Comic-Szene in den Tiefflug.
Die digitale Erlebniswelt brachte mit der Etablierung des PC in
den Wohnzimmern aber auch neue und noch ausbaubare Möglichkeiten
für den Comic. So konnten sich seit einiger Zeit neue Internet-Foren
wie auch unabhängige Comic-Digital-Verlage entwickeln. Und
scheint die ökonomische Seite dieser neuen Form auch noch ein
wenig unklar, so bietet sie doch immerhin unabhängige wie auch
attraktive Publikations- und Informations-Möglichkeiten für
alle ZeichnerInnen, Fans und Interessierte, womit für die gesamte
Szene ein Demokratisierungs-Prozeß in Gang gesetzt wurde.
Während die Szene selbst sich auch heute noch immer angeschlagen
zeigt, scheint sich das geistige Ideengut der Comics jedoch in verwandten
Medien auszubreiten: So lockt einerseits eine unabsehbare Welle
aufwändiger Comic-Verfilmungen die Massen in die Kinos während
sich im Bereich der bildenden Kunst zunehmend mehr Werke auf den
Kunst-Messen als Comics-Zitate präsentieren.
siehe zur comic-geschichte auch ...
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www.wikipedia.org/wiki/Comic
www.comic.de
www.comic-i.com
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